Was essen bei Fettstuhl / gestörter Fettverdauung?

Haben sich Form und Farbe Ihres Stuhls verändert? Treten bei Ihnen durchfallartige, klebrige, glänzende oder geruchsintensive Stühle auf? Nach einer Operation an der Bauchspeicheldrüse oder am Magen, oder bei einer verminderten Produktion von Bauchspeicheldrüsenenzymen kann es zu sogenannten Fettstühlen kommen. Diese sind nicht nur unangenehm, sondern führen auch dazu, dass wertvolle Kalorien und fettlösliche Vitamine verloren gehen. Wie Sie bei Fettstühlen vorgehen können, erfahren Sie in diesem Artikel.

Inhaltsverzeichnis

Praktische Empfehlungen:

Hintergrundinformationen:

Downloads:

Quellen:

Was brauche ich, um Fettstühle zu vermeiden?

  • Präparate mit Bauchspeicheldrüsenenzymen (z.B. Kreon®, Ozym®, Pankreatan®, Nortase®, etc.) -> nach ärztlicher Verordnung.
    • Handelsübliche Präparate sind in Kapselform erhältlich mit je 10.000 IE, 25.000 IE und 40.000 IE. Es ist empfehlenswert unterschiedliche Kapselgrößen zuhause zu haben, da z.B. für Zwischenmahlzeiten eine geringere Dosierung benötigt wird als für Hauptmahlzeiten.
    • In Einzelfällen (z.B. nach einer Magenentfernung) ist es zwingend notwendig, Granulat/Pellets (ohne Kapsel) zu verwenden oder die Kapseln zu öffnen.
  • Bei ausgeprägten Fettstühlen kann es hilfreich sein herkömmliche Fette durch spezielle mittelkettige Fettsäuren (MCT-Fette) zu ersetzen. MCT Fette sind in der Apotheke als Öl, Streichfett oder Aufstrich erhältlich.
  • Es gibt keine speziellen Lebensmittel, die bei Fettstühlen empfohlen werden. Durch die richtige Einnahme von Bauchspeicheldrüsen-Enzymen können Sie alles Essen was sie vertragen. Wenn Sie Gewicht verlieren, sollten Sie sich bestmöglich kalorienreich ernähren. Falls bei Ihnen jedoch zusätzlich Blähungen und/oder Bauchschmerzen vorliegen, kann vorübergehend eine leicht verdauliche Kost empfehlenswert sein. (zum Artikel “Was essen bei Blähungen?”)

7 praktische Handlungsschritte bei Fettstühlen

  1. Verzichten Sie nicht auf Fett, sondern verbessern Sie die Aufnahme von Fett mithilfe von Bauchspeicheldrüsenenzymen (diese müssen vom Arzt verschrieben werden).
  2. Bevorzugen Sie energiereiche Lebensmittel und Getränke, um Ihr Gewicht stabil zu halten.
  3. Nehmen Sie die Bauchspeicheldrüsenenzyme zu den Hauptmahlzeiten und fetthaltigen Zwischenmahlzeiten und nehmen Sie diese direkt zum Essen ein.
  4. Essen Sie fünf bis sechs kleine Mahlzeiten täglich. Kleine Portionen werden in der Regel besser vertragen. Denken Sie daran, zu jeder Mahlzeit auch die Enzyme einzunehmen.
  5. Falls weiterhin Beschwerden auftreten, stellen Sie sich folgende Fragen: Habe ich die Enzyme direkt zu den Mahlzeiten eingenommen? War die Dosierung für die Fettmenge in der Speise ausreichend? (Faustregel: pro Gramm Nahrungsfett werden 2000 IE Lipase benötigt)
  6. Führen Sie ein Ernährungs-Symptomprotokoll auf dem Sie auch die Dosierung der Enzyme festhalten. Dies kann Ihnen dabei helfen, die erforderliche Enzymmenge an den Fettgehalt der Mahlzeit anzupassen und Lebensmittel/Speisen zu identifizieren, die Sie weniger gut vertragen.
  7. Vergewissern Sie sich, dass Sie immer Enzyme dabeihaben. Um sicherzustellen, dass Sie diese nicht vergessen, können Sie sich z.B. einen Beutel an Ihr Handy oder Schlüsselbund hängen oder in Ihrem Geldbeutel oder Handtasche verstauen.

Einnahme von Bauchspeicheldrüsen-Enzymen

Um bei einer eingeschränkten Funktion der Bauchspeicheldrüse oder nach einer Magenentfernung die Verdauung der Nahrungsinhaltsstoffe (insbesondere Fett) zu unterstützen, ist die Einnahme von Bauchspeicheldrüsen-Enzymen in vielen Fällen erforderlich. Somit wird neben Fettstühlen auch anderen Beschwerden entgegengewirkt, wie zum Beispiel Völlegefühl und Gewichtsverlust, und die Aufnahme von fettlöslichen Vitaminen verbessert.

Dosierung:

Die Dosierung hängt u.a. von dem Schweregrad der Verdauungsschwäche ab. Sprechen Sie daher mit Ihrem Arzt. Dieser bestimmt die für Sie passende Dosierung anhand Ihrer zugrundeliegenden Erkrankung, Ihrem Körpergewicht, Ihrer Ernährung und dem Fettgehalt Ihres Stuhls.

Hinsichtlich Ernährung sind insbesondere der Fettgehalt der Speise und die Portionsgröße maßgebend für die Dosierung. Pro Gramm Nahrungsfett müssen in etwa 2.000 Lipase-Einheiten (IE) eingenommen werden. Demnach müssen z.B. für 1 Becher Joghurt mit 3,5% Fett (=5 g Fett/Becher) 10.000 IE eingenommen werden. (Berechnung: 5g Fett x 2.000 IE = 10.000 IE)

Als Richtwerte für die Dosierung für eine Mahlzeit gelten:

  • Hauptmahlzeit: 25.000-40.000 IE (bis zu 80.000 IE)
  • Zwischenmahlzeit: 10.000 – 25.000 IE
  • Hinweis: bei Zwischenmahlzeiten, die nur Kohlenhydrate beinhalten (z.B. Obst, Saft, Limonaden) ist keine Enzymeinnahme erforderlich

Hinweise zur Einnahme:

  • Nehmen Sie die Bauchspeicheldrüsen-Enzyme direkt zu den Haupt- und Zwischenmahlzeiten ein, damit sich die Enzyme gründlich mit der Nahrung vermischen kann.
  • Die Enzyme sollten bereits zu Beginn einer Mahlzeit bzw. mit dem ersten Bissen eingenommen werden.
  • Probieren Sie aus, ob sich die Einnahme von mehreren kleinen Kapseln über die Mahlzeit verteilt positiv auf Ihre Verdauung auswirkt. Nehmen Sie z.B. 2 Kapseln mit je 25.000 IE anstelle einer Kapsel mit 40.000 IE und nehmen Sie eine zu Beginn und eine nach der Hälfte der Mahlzeit.
  • Falls bei Ihnen der Magen entfernt wurde, sollten Sie die Kapseln öffnen, damit sich das Granulat besser mit dem Speisebrei vermischen kann (die Enzyme sind auch ohne Kapsel, gleich als Granulat erhältlich). Kippen Sie das Granulat in den Mund und schlucken es mit wenig Wasser, oder geben Sie das Granulat auf einen Löffel z.B. mit Joghurt oder Apfelmus und schlucken Sie es sofort unzerkaut hinunter.
    • Achten Sie unbedingt darauf, das Granulat unzerkaut(!) zu schlucken. Sonst können Entzündungen im Mund entstehen und das Granulat kann nicht richtig wirken. Achten Sie aus diesem Grund auch darauf, dass keine Reste im Mund verbleiben.
    • Vermischen Sie niemals das Granulat mit Ihrer eigentlichen Mahlzeit auf dem Teller. Wenn das Essen eher basisch ist, wird das Essen noch am Teller „vorverdaut“. Es kann dadurch den Geschmack der Speise verändern und die Enzymwirkung im Darm abschwächen.

Durch die richtige Einnahme und Dosierung der Bauchspeicheldrüsen-Enzyme, sollte sich Ihr Stuhl normalisieren und eine Gewichtsstabilisierung/-zunahme leichter möglich sein. Falls weiterhin Fettstühle bestehen, überprüfen Sie folgende mögliche Fehlerquellen:

  • Hatten Sie einen zeitlichen Abstand zwischen der Enzymeinnahme und dem Verzehr der Mahlzeit? Nehmen Sie die Enzyme zukünftig während der Mahlzeit ein.
  • Haben Sie möglicherweise den Fettgehalt der Mahlzeit zu niedrig geschätzt bzw. die Bauchspeicheldrüsenenzyme zu niedrig dosiert? Versuchen Sie den Fettgehalt Ihrer Mahlzeiten bestmöglich einzuschätzen. Schauen Sie z.B. auf den Produktpackungen nach oder verwenden Sie diese Lebensmittelliste mit Angaben zum Fettgehalt. 
  • Hatte Ihre Mahlzeit einen sehr hohen Fettgehalt? Sehr große Fettmengen können oftmals nicht vollständig durch die Einnahme von Enzymen kompensiert werden.
  • Haben Sie die Enzyme versehentlich vergessen (z.B. bei einer Zwischenmahlzeit)
  • Haben Sie das Granulat einer geöffneten Kapsel unabsichtlich gekaut?

Ernährungsempfehlungen bei Fettstühlen

Wann und wie oft soll ich essen?

Kleine Mahlzeiten werden in der Regel besser vertragen. Essen daher am besten mehrmals am Tag kleine Portionen. Denken Sie daran auch zu (fetthaltigen) Zwischenmahlzeiten Bauchspeicheldrüsen-Enzyme einzunehmen.

Welche Lebensmittel und Getränke sind bei Fettstühlen geeignet/weniger geeignet?

Viele Betroffene verzichten oder reduzieren bei Fettstühlen die Fettzufuhr. Dies ist jedoch nicht empfehlenswert und kann Gefahren, wie z.B. Gewichtsverlust, mit sich bringen. Passen Sie bei fettreichen Lebensmittel die Dosierung der Enzyme entsprechend an, anstelle diese Lebensmittel zu vermeiden.
Falls Sie bereits Gewicht verloren haben, bevorzugen Sie Lebensmittel mit einer hohen Energiedichte (Energiedichtetabelle zum Download) und versuchen sie zusätzlich Kalorien über Getränke aufzunehmen (z.B. Gemüsesäfte, Fruchtsäfte, Milchshakes, Smoothies, alkoholfreies Nährbier).

Was kann ich sonst noch tun?

Gewichtsstabilisierung

Versuchen Sie Ihr Gewicht bestmöglich stabil zu halten. Ausführliche Informationen mit Empfehlungen und Tipps, die Sie bei der Gewichtsstabilisierung unterstützen können, finden Sie im Artikel “Was essen bei Gewichtsverlust?”.

Supplementierung von fettlöslichen Vitaminen

Nach Entfernung der gesamten Bauchspeicheldrüse kann die zusätzliche Gabe von fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K) erforderlich sein, insbesondere, wenn Fettstühle über einen längeren Zeitraum bestehen. Lassen Sie sich bezüglich einer Vitaminsupplementierung von Ihrem Behandlungsteam beraten.

Einnahme von Protonenpumpenhemmer oder H2-Blocker

Wenn trotz der Einnahme von Bauchspeicheldrüsenenzymen weiterhin Fettstühle auftreten, kann in manchen Fällen der Einsatz von Medikamenten sinnvoll sein, um die Magensäureproduktion zu hemmen. Die Wirksamkeit der eingenommenen Enzyme kann durch die Magensäure vermindert werden, da Bauchspeicheldrüsenenzyme nur im basischen Milieu wirken können. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob in Ihrem Fall die Einnahme von Protonenpumpenhemmern oder H2-Blockern empfehlenswert ist.

Einsatz von MCT-Fetten

Wenn bei Ihnen die Aufspaltung von Fett trotz ordnungsgemäßer Einnahme von Bauchspeicheldrüsenenzymen beeinträchtigt ist, kann der Einsatz von mittelkettigen Fettsäuren (MCT Fette) empfehlenswert sein. Im Gegensatz zu langkettigen Fetten (die in Lebensmittel hauptsächlich enthalten sind) können MCT Fette ohne Enzyme und Gallensäure im Darm resorbiert werden. MCT Fette sind daher eine geeignete Quelle für zusätzliche Kalorien. Sie müssen langsam in die Ernährung eingeschlichen werden, da sonst Verdauungsbeschwerden ausgelöst werden können. MCT Fette sind in der Apotheke als Öl, Streichfett oder Aufstrich erhältlich.

Kontaktieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie:

  • mehr als 5% Ihres Körpergewichtes in 3 Monaten verlieren. 
  • weiterhin Fettstühle haben (trotz ordnungsgemäßer Einnahme von Bauchspeicheldrüsen Enzymen)
  • ungewöhnliche Magen-Darm-Beschwerden haben.

Was versteht man unter Fettstühlen?

Definition

Bei Fettstühlen, auch Steatorrhoe genannt, handelt es sich um eine Störung der Fettverdauung. Nahrungsfett kann nur vermindert aufgenommen werden und wird dadurch vermehrt unverdaut über den Stuhl ausgeschieden. Es kommt zu einem gräulichen oder entfärbten, geruchsintensiven, durchfallartigen Stuhl. Er kann mit einer glänzenden Fettauflage belegt sein und lässt sich in der Toilette meist nur schwer herunterspülen.

Ursachen

Eine funktionelle Veränderung der Bauchspeicheldrüse (Pankreas), des Magens, Dünndarms oder der Gallenblase kann Fettstühle auslösen.
Hierzu zählen vor allem:

  • Tumore im Pankreaskopf, oder operative Entfernung der Bauchspeicheldrüse bzw. des Pankreaskopfes
    Im Pankreaskopf werden die Enzyme für die Verdauung der Nahrungsbestandteile produziert. Diese Enzyme sind notwendig, um Nährstoffe aufzuspalten und so den Übertritt vom Darm ins Blut zu ermöglichen. Fehlt diese Funktion werden Nährstoffe (insbesondere Fette) über den Stuhl wieder ausgeschieden.
  • Operative Entfernung des Magens
    Durch die fehlende Reservoir-Funktion des Magens kommt es zu einer beschleunigten Nahrungspassage. Die Bauchspeicheldrüsen-Enzyme und der Speisebrei können sich daher in manchen Fällen nicht ausreichend vermischen, wodurch die Verdauungsleistung vermindert wird.
  • Weitere Ursachen für Fettstühle können sein: Tumore oder Operationen an der Gallenblase, Pankreatitis, Mukoviszidose, Kurzdarmsyndrom, Morbus Crohn, Zöliakie.

Mögliche Folgen

Bei einer gestörten Fettverdauung können neben Fettstühlen oftmals auch Blähungen, Völlegefühl und Gewichtsverlust auftreten. Durch die vermehrte Ausscheidung von Fett gehen nicht nur Kalorien verloren, sondern auch die Aufnahme von den fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K) und Vitamin B12 ist vermindert. Klinische Symptome durch eine Unterversorgung dieser Vitamine sind jedoch selten.

Quellenangaben

Bücher:

H. Bertz und G. Zürcher. Ernährung in der Onkologie: Grundlagen und klinische Praxis, Schattauer GmbH, Stuttgart, 2014.

N. Erickson, N. Schaller, A.P. Berling-Ernst, H. Bertz. Ernährungspraxis Onkologie, Schattauer GmbH, Stuttgart, 2017.

E. Höfler und P. Sprengart. Praktische Diätetik: Grundlagen, Ziele und Umsetzung der Ernährungstherapie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 2012.
Mylan Healthcare. Fachinformation (Zusammenfassung der Merkmale des Arzentimittels) Kreon® 10000 Kapseln. Stand 04/2017.

Webseiten:

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T. Stevens and D.L. Conwell. Exocrine pancreatic insufficiency. UpToDate, Topic 4779 Version 20.0 https://www.uptodate.com/contents/exocrine-pancreatic-insufficiency?search=steatorrhoe&source=search_result&selectedTitle=10~150&usage_type=default&display_rank=10 (letzte Aktualisierung 10/2018)

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