Was essen bei Kau- oder Schluckbeschwerden (Disphagie)?

Täglich schlucken wir zwischen 600 und 2000 Mal. Üblicherweise geschieht dieser komplexe Vorgang automatisch, ohne dass wir daran denken müssen. Ist dieser Vorgang gestört, bedeutet das für viele Betroffene eine enorme Belastung. Die Nahrungsaufnahme und das Sprechen können durch Kau- und Schluckbeschwerden wesentlich beeinträchtigt sein.

Eine angepasste Ernährung kann Ihnen die Nahrungsaufnahme erleichtern und Sie dabei unterstützen, die Freude am Essen wiederzufinden. Dadurch können Sie eine unnötige Gewichtsabnahme oder Dehydration vermeiden.

Ernährungsempfehlungen bei Kau- und Schluckbeschwerden

Hinweise:

1. Schluckschwierigkeiten sollten in der Regel von einer Logopädin oder einem Logopäden abgeklärt werden. So kann Ihr Behandlungsteam die für Sie passende Speisenkonsistenz ermitteln.

2. Falls Sie Gewicht verlieren, sprechen sie möglichst frühzeitig mit Ihrem Behandlungsteam über Möglichkeiten für eine ausreichende Versorgung mit Energie und Nährstoffen. Trinknahrungen oder Anreicherungspulver können dabei helfen das Gewicht zu stabilisieren. Falls oral nicht genügend Nahrung aufgenommen werden kann, ist in manchen Fällen zusätzlich die Gabe einer Sondennahrung oder eine Ernährung über die Venen erforderlich.

Erste Hilfe: 7 praktische Handlungsschritte bei Kau- und Schluckbeschwerden

  1. Passen Sie die Konsistenz der Speisen durch zerkleinern, zerdrücken, pürieren, weichkochen, etc. an Ihre Verträglichkeit an.
  2. Meiden Sie „Problemkost“, wie harte, krümelige und klebrige Lebensmittel und Speisen sowie Mischkonsistenzen.
  3. Wählen Sie energiereiche Lebensmittel und Getränke und reichern Sie Ihre Speisen mit Fetten an, um Ihr Gewicht bestmöglich zu stabilisieren.
  4. Nehmen Sie sich Zeit zum Essen und achten Sie auf eine aufrechte Sitzposition
  5. Lassen Sie sich nicht durch Fernseher und Gespräche ablenken, sondern konzentrieren Sie sich auf das Essen bzw. den Schluckvorgang.
  6. Nehmen Sie in etwa eine Menge von 5 ml (ca. 1 Teelöffel) auf einmal in den Mund, da diese Menge am besten geschluckt werden kann.
  7. Entfernen Sie nach dem Essen etwaige Nahrungsreste, die im Mund verblieben sind.

Wann und wie oft soll ich essen?

Nutzen Sie jede Gelegenheit, um Nahrung aufzunehmen. Nehmen Sie sich Zeit zum Essen und verzehren Sie viele kleine, energiereiche Mahlzeiten über den Tag verteilt. 

Anregungen für energiereiche Mahlzeiten finden Sie auch im Artikel “Was essen bei ungewolltem Gewichtsverlust?“.

Welche Lebensmittel, Konsistenzen und Zubereitungsarten sind bei Kau- und Schluckbeschwerden geeignet?

  • Klären Sie mit Ihrem Behandlungsteam und einer Logopädin oder einem Logopäden ab, welche Konsistenz für Sie geeignet ist.
  • Erfahrungsgemäß können folgende Lebensmittel/Speisen und Getränke von den meisten Betroffenen gut verzehrt werden. Dies ist jedoch je nach Schweregrad der Kau- und Schluckstörung unterschiedlich:
  • Breiige oder pürierte Lebensmittel/Speisen (z.B. Kartoffelpüree, Cremesuppen, Grießbrei, Obstmus, Smoothies)
  • Weichgekochte Lebensmittel (z.B. Zucchini)
  • Dickflüssige Milchprodukte (z.B. Joghurt, Kefir, Buttermilch). Bevorzugen Sie Sauermilchprodukte, falls Milch bei Ihnen einen unangenehmen Belag verursacht.
  • Speisen mit hohem Energiegehalt (z.B. Eiscreme, Milchshakes, Pudding)
  • Mit Fett angereicherte Lebensmittel/Speisen. Durch Zugabe von Pflanzenöle, Butter, Margarine, Schlagobers/Sahne, Sauerrahm, etc. werden die Speisen gleitfähiger und energiereicher.
  • Saucen und Flüssigkeiten können das Schlucken von Speisen erleichtern.
  • Kohlensäurearme/-freie Getränke (z.B. Leitungswasser, stilles Mineralwasser, Tees, Säfte, Milchshakes). Bei einem erhöhten Aspirationsrisiko müssen Getränke ggf. angedickt werden. Achten Sie auf eine ausreichende Trinkmenge von ca. 1,5-2L/Tag.
  • Trinknahrungen können Sie dabei unterstützen Ihr Körpergewicht stabil zu halten. Diese Produkte sind in der Regel sehr kalorienreich und in verschiedenen Geschmacksrichtungen erhältlich (genauere Informationen zu Trinknahrung erhalten Sie HIER).

Welche Lebensmittel und Getränke sind bei Schluckbeschwerden eher ungeeignet?

  • trockene und krümelige Lebensmittel (z.B. Cracker, trockene Kekse)
  • harte Lebensmittel (z.B. Brotkruste, Rohkost)
  • körnige Lebensmittel (z.B. Körnerbrot, Nüsse, Popcorn, Reis, kernige Haferflocken)
  • faserige Lebensmittel (z.B. Ananas, Spargel, zähes und faseriges Fleisch, Fisch mit Gräten)
  • klebrige Lebensmittel (z.B. Schmelzkäse, Erdnussbutter)
  • säurehaltige und scharfe Lebensmittel (z.B. Orangen, Zitronen, Meerrettich, Chili)
  • zu heiße Speisen und Getränke, sowie kohlensäurereiche Getränke (können Verschlucken auslösen)

Wie soll ich essen?

Körperhaltung

  • Achten Sie beim Essen auf eine möglichst aufrechte und stabile Körperhaltung.
  • Setzen sich zum Essen an den Tisch.
  • Neigen Sie beim Trinken den Kopf zur Brust, damit Flüssigkeiten nicht unkontrolliert in den Rachen laufen kann.
  • leiben Sie auch nach dem Essen noch einige Zeit aufrecht sitzen.

Speisemenge

  • Nehmen Sie sich kleine Portionen auf den Teller, da kleinen Mengen meist besser vertragen werden und leichter zu bewältigen sind.
  • Essen Sie lieber mit einem Teelöffel anstelle eines Suppenlöffels. Eine Menge von 5ml kann am besten geschluckt werden.

Konzentration

  • Essen Sie langsam und konzentriert. Ablenkung durch Radio, Fernseher oder Gesprächen können zu Verschlucken führen.

Hilfsmittel

  • Greifen Sie bei Bedarf auf Hilfsmittel zurück, wie z.B. Schnabelbecher, Strohhalm oder angepasstes Essbesteck.

Atmosphäre beim Essen

  • Gestalten Sie das Essensumfeld angenehm und stressfrei, z.B. durch einen schön gedeckten Tisch oder frische Blumen.
  • Nehmen Sie Mahlzeiten in ruhiger Atmosphäre ein und planen Sie mehr Zeit für das Essen ein, damit jeder Bissen ausreichend gekaut und gut abgeschluckt werden kann.

Worauf kann ich sonst noch achten?

Logopädische Betreuung

LogopädInnen können Sie dabei unterstützen geeignete Schlucktechniken zu erlernen. Durch gezielte Zungen- und Lippenübungen können Sie die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme erleichtern und auch Ihre Aussprache verbessern.
Sollte Ihnen Ihr Behandlungsteam keine Logopädin / keinen Logopäden empfehlen können, nutzen Sie die Online-Suche des Deutschen Bundesverbands für Logopädie e.V..

Einnahme von Medikamenten

Wenn Sie Probleme haben Tabletten zu schlucken, erkundigen Sie sich bei Ihrem Behandlungsteam, ob es alternative Einnahmemöglichkeiten gibt. Manche Tabletten können zerteilt und mit etwas Flüssigkeit vermischt werden, andere wiederum dürfen nicht zerkleinert werden. Besprechen Sie dies mit Ihrem betreuenden Arzt oder Apotheker.

Mundpflege

Achten Sie auf eine gute Mundhygiene. Nahrungsreste verbleiben nach dem Essen oft im Mund und müssen nachträglich entfernt werden.

Wann muss ich zum Arzt?

Kontaktieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn Sie:

  • Nahrung, Flüssigkeiten oder Speichel nicht mehr wie gewohnt schlucken können
  • Plötzlichen Husten oder Würgereiz bei der Nahrungsaufnahme verspüren
  • Rasselnde oder keuchende Atemgeräusche haben
  • Schwierigkeiten beim Sprechen haben
  • Viel Gewicht verlieren (>5% Gewichtsverlust in 3 Monaten)

Was versteht man unter Kau- und Schluckbeschwerden?

Definition
Schluckbeschwerden werden in der Fachsprache als Dysphagie bezeichnet („dys“= schlecht, „phagein“=essen). Darunter versteht man Schwierigkeiten, die den Transport von Speisen und Getränken vom Mund bis in den Magen betreffen. Dies zeigt sich zum Beispiel durch wiederkehrendes Verschlucken, häufiges Husten und Räuspern, Würgereiz, Gefühl eines Kloßes im Hals, gurgelnde Stimme und Sprechstörungen.

Ursachen
Kau- und Schluckbeschwerden können durch den Tumor selbst entstehen (wenn sich dieser im Mundbereich, in der Speiseröhre oder am Mageneingang befindet) oder als Folge der Therapie auftreten (z.B. durch Schleimhautveränderungen im Mund-Hals Bereich durch eine Chemo- oder Strahlentherapie oder einer Operation)
Weitere Ursachen für Kau- und Schluckbeschwerden können Mundtrockenheit oder Infektionen sein, sowie Schlaganfälle, ein schlechter Zahnstatus oder fortgeschrittenes Alter.

Mögliche Folgen
Schluckbeschwerden können sehr belastend sein und sind teilweise mit Angst vor dem Essen und Trinken verbunden. Trotz Hunger und Appetit essen viele Betroffene nicht ausreichend, wodurch das Risiko einer Mangelernährung und einer Dehydration erhöht ist. Zudem besteht bei Schluckbeschwerden eine erhöhte Gefahr für eine Lungenentzündung, die durch eine Fehlleitung von Nahrung und Speichel in die Luftwege (= Aspiration) ausgelöst werden kann.

Quellenangaben

Bücher:

  • H. Bertz und G. Zürcher. Ernährung in der Onkologie: Grundlagen und klinische Praxis, Schattauer GmbH, Stuttgart, 2014.
  • N. Erickson, N. Schaller, A.P. Berling-Ernst, H. Bertz. Ernährungspraxis Onkologie, Schattauer GmbH, Stuttgart, 2017.
  • A. Hann, B. Schlegel, W.G. Zoller. Erkrankungen des oberen Gastrointestinaltraktes. In H.C. Biesalski et al. Ernährungsmedizin. Georg Thime Verlag, Stuttgart, 2018, S. 848-860.
  • M. Weissenberger-Leduc. Dysphagie – Schluckstörung. In: Palliativpflege bei Demenz. Springer, Wien, 2009 S.188-192.

Internetseiten: