Was essen bei Durchfall?

Sie kämpfen mit Durchfall als Beschwerde oder Nebenwirkung einer Therapie? Sie sind damit nicht alleine. Durchfall ist eine der häufigsten Begleitbeschwerden einer Krebserkrankung und der damit verbundenen Therapien.

Wir wollen Ihnen in diesem Artikel die Hintergründe und Ursachen von Durchfall erklären und haben zusammengestellt, was vielen Patienten in der Praxis gegen Durchfälle hilft: Probieren Sie aus, welche Tipps für Sie die richtigen sind! Schreiben Sie uns gerne Ihre Erfahrungen und Ergänzungen – so können wir die Empfehlungen stetig verbessern.

Was ist Durchfall?

Definition

Von Durchfall, oder auch Diarrhoe genannt, spricht man bei einer erhöhten Stuhlfrequenz, mit mehr als dreimal täglich dünnflüssigen Stühlen.

Unterteilen lässt sich Durchfall in zwei Kategorien:

  1. akute Diarrhoe: dauert weniger als 3-4 Wochen
  2. chronische Diarrhoe: dauert länger als 3-4 Wochen

Zusätzlich kommt es bei manchen Patienten (insbesondere bei Bauchspeicheldrüsen- und Magenkrebs) zu Fettstühlen (ein Kapitel dazu befindet sich in Arbeit).

Ursachen

Ursachen für Durchfälle können so vielfältig sein, wie die Erkrankung selbst:

  • Oft handelt es sich um eine Nebenwirkung der Chemotherapie oder Bestrahlungen im Bauchbereich, bei der die Darmschleimhaut beschädigt wird.
  • Ebenso können operative Eingriffe am Magen-Darm-Trakt,
  • Medikamente wie Antibiotika,
  • die fehlerhafte Einnahme von Kreon
  • oder Infektionen Durchfälle hervorrufen.
  • Chemotherapien können auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten hervorrufen: Aufgrund der beschädigten Darmschleimhaut, kann die Produktion von Laktase unzureichend sein, wodurch bei manchen Patienten vorübergehend eine Laktoseintoleranz auftreten kann. Als Folge können Durchfälle nach dem Verzehr von laktosereichen Lebensmitteln, wie z.B. Milchprodukten, auftreten.

Mögliche Folgen

Bei Durchfall verliert der Körper viel Flüssigkeit, Salze und Mineralstoffe. Je nach Stärke und Häufigkeit des Durchfalls kann dies zur gefährlichen Austrocknung ( Dehydration) des Körpers führen. Um ein Kreislaufversagen und andere schwerwiegende Folgen zu vermeiden, sollten Sie bei starkem, wässrigem Durchfall oder wenn Symptome einer Dehydration auftreten ärztlichen Rat einholen. 

Dies sind einige Symptome, die auf eine Dehydration hindeuten können:  

  • Kopfschmerzen, Schwindel, Benommenheit und Übelkeit. 
  • Atmung oder Herzschlag sind schneller als normal.
  • Unelastische Haut: Zieht man mit zwei Fingern an der Haut (zum Beispiel am Handrücken, Arm oder Bauch), bleibt eine Hautfalte stehen und glättet sich erst nach einigen Sekunden.
  • Starker Durst, dunkler Urin (Vorsicht: Urinfarbe kann auch durch Medikamente verändert sein) und fehlender Harndrang.

Was kann ich gegen Durchfall tun?

Oberstes Ziel bei Durchfall ist es, durch Trinken und Essen Ihren Flüssigkeits- und Elektrolytverlust auszugleichen und damit eine Dehydration zu vermeiden. Bei länger anhaltendem Durchfall ist ein weiteres Ziel, Ihrem Körper trotzdem genügend Energie und Nährstoffe zu geben, damit Sie kein Gewicht verlieren. Und schließlich geht es darum, Lebensmittel so auzuwählen, dass der Durchfall nicht verstärkt, sondern möglichst gelindert wird.

 

Wann und wie oft soll ich essen?

  • Essen Sie viele kleine Mahlzeiten und testen Sie, was Sie besser und schlechter vertragen.
  • Trinken Sie regelmäßig jede Stunde stilles Wasser, Tee (Fenchel, Kamille und Anis) und Brühe um einer möglichen Dehydrierung entgegenzuwirken. 
  • Vermeiden Sie es, während den Mahlzeiten zu trinken.

Welche Lebensmittel helfen mir bei Durchfall?

  • Wählen Sie ballaststoffarme und leicht verdauliche Lebensmittel:
    • Eiweißreiche Lebensmittel: Gedämpftes, eher mageres Fleisch wie Huhn, Pute, mageres Rind, mageres Schwein, Kalb, magerer Fisch, weichgekochte Eier, fettarmes Rührei oder Omelette
    • Kohlenhydratreiche Lebensmittel: min. einen Tag lang abgelagertes Weißbrot, Brötchen und Zwieback, Nudeln aus hellem Mehl, weißer Reis, Haferflocken und Gries (gerne als Brei), Kartoffeln (auch als Brei)
    • Gemüse: am besten immer gekocht, als Suppe oder Brei. Karotten, Pastinake, Zucchini, Kürbis, Fenchel
    • Obst: am besten gut gereift oder als Kompott oder Brei, Banane (evtl. geschlagen), geriebener Apfel (mit Schale), Apfelmus, Heidelbeeren, Heidelbeermus
  • Meiden Sie stark fetthaltige oder gewürzte Speisen, wie fettes Fleisch, fette oder scharfe Soßen, frittierte/panierte/gegrillte Speisen, Fertiggerichte oder Fast Food
  • Identifizieren Sie Lebensmittel, die Sie schlecht vertragen (z.B. Milchprodukte, fettige Speisen, Kern- und Steinobst, etc.). Ein Ernährungs-Beschwerde-Protokoll kann Ihnen dabei helfen, diese Lebensmittel zu erkennen. (Eine Vorlage dafür veröffentlichen wir in Kürze.)
  • Lösliche Ballaststoffe, z.B. Pektine, Flohsamen, wirken als Bindemittel und können den Stuhl eindicken. Pektine sind zum Beispiel enthalten in Heidelbeeren, Apfel (gerieben oder gekocht wie im Apfelmus), Karotten (idealerweise als Suppe). Alternativ kann Guar- und Johannisbrotkernmehl, sowie Apfel Pektin über die Apotheke bezogen werden. Achten Sie bei der Anwendung auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Blähungen können eine unerwünschte Begleiterscheinung der Einnahme sein.
  • Probiotische Lebensmittel können die Darmflora möglicherweise stärken und sich somit positiv auf Ihr Stuhlverhalten auswirken. Auch, wenn bisher keine eindeutige Empfehlung ausgesprochen werden kann, können Sie versuchen, ob Ihnen die Einnahme von probiotischen Lebensmitteln (z.B. einmal täglich ein Naturjoghurt) gut tut.
  • Empfehlenswerte Getränke sind stilles Mineralwasser, verschiedene Tees (z.B. Grüner Tee, Fenchel- und Kamillentee, Kümmeltee, Heidelbeertee, Schwarztee (10-15 min ziehen lassen)). Isotone Getränke eignen sich besonders gut zum Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes. Diese können Sie entweder selbst herstellen oder sogenannte Sportlergetränke aus dem Supermarkt beziehen (z.B. Gatorade, Isostar, etc.). Bei sehr starken Durchfällen sind Rehydratationslösungen / Elektrolylösungen aus der Apotheke empfehlenswert.
  • Fleisch- und Gemüsebrühen eigenen sich ebenfalls zum Elektrolytausgleich.
  • Vermeiden Sie Kaffee, koffeinhaltige Limonaden (Cola), Energydrinks, stark zuckerhaltige und kohlensäurehaltige Getränke und Alkohol. Diese Getränke können den Durchfall verstärken.
  • Meiden Sie Zuckeraustauschstoffe. Diese haben häufig eine blähende und abführende Wirkung und sind vor allem in zuckerfreien Getränken und Lebensmitteln zu finden. Zu den Zuckeraustauschstoffen zählen z.B. Xylit (E967) (auch bekannt als Birkenzucker), Mannit (E421), Maltit (E965), Isomalt (E953), Lactit (E966), Sorbit (E420).

Was kann ich noch gegen Durchfall tun?

  • Wählen Sie leicht verdauliche Zubereitungsarten (z.B. Dünsten, Dämpfen, Garen, etc.)
  • Trinken Sie Getränke in Zimmertemperatur. Sehr kalte und schnell getrunkene Flüssigkeiten können die Darmbewegung verstärken.
  • Holen Sie sich, wenn möglich, Unterstützung beim Einkauf und der Speisenzubereitung. Im nächsten Abschnitt finden Sie geeignete Rezepte. 
  • Lassen Sie sich Zeit beim Essen und kauen Sie sorgfältig. Je besser Sie kauen, desto leichter verdaulich ist die Mahlzeit und desto höher ist die Verträglichkeit.
  • Geben Sie nur kleine Portionen auf Ihren Teller. Sie können immer ein zweite Portion als Nachschub holen.
  • Sorgen Sie für eine entspannte Atmosphäre und vermeiden Sie Stress.

Rezepte bei Durchfall

Reis- und Haferschleim
  • 1 Liter Wasser, 50 g Schmelzflocken bzw. 60 g Reisflocken, 3 g Jodsalz
  • Reis oder Haferflocken in Wasser aufkochen, mit Jodsalz abschmecken, passieren und heiß verzehren.
Karottensuppe nach Moro-Heisler
  • 1,5 Liter Wasser, 3 g Jodsalz, 1 kg Karotten
  • Entweder tiefgekühlte Karottenstücke als Basis nutzen oder frische Karotten waschen, sehr sparsam schälen, kleinschneiden und im Wasser mit dem Jodsalz garen. Anschließend fein pürieren und 5-6 Portionen täglich über den Tag verteilt essen.

Geriebener Apfel

  • Bis zu 5-mal täglich einen ungeschälten Apfel fein reiben, stehen lassen bis die Masse braun wird und langsam verzehren.
  • Alternativ kann Apfelmus oder Apfelpektin (erhältlich in der Apotheke oder im Reformhaus) verwendet werden.

Geschlagene Banane

  • Bis zu 5-mal täglich eine Banane mit einer Gabel zerdrücken evtl. mit etwas Zitronensaft beträufeln und zu einem homogenen Brei schlagen.

Heidelbeeren

  • Getrocknete Heidelbeeren (z.B. als Tee oder eingeweicht im Haferbrei oder Joghurt), Heidelbeermus, Heidelbeerkompott oder auch als Saft.

Selbstgemachte Rehydrationslösung / Elektrolytlösung

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt zur bestmöglichen Rehydration bei Durchfall eine bestimme Elektrolytmenge auf einen Liter Wasser. Fertige Mischungen können Sie in der Apotheke kaufen. Zu Hause lässt sich mit folgendem Rezept eine ähnliche Mischung erreichen (Achtung: nicht für Kinder geeignet! Kinder reagieren empfindlicher auf Schwankungen in der Rezeptur):

  • 1 Liter Trinkwasser
  • ¼ Teelöffel Salz (für Natriumchlorid)
  • 2 Esslöffel Zucker oder Honig (für Glukose)
  • ¼ Teelöffel Backpulver (für Natriumbikarbonat bzw. Natriumcitrat)
  • ½ Tasse Orangensaft dazugeben oder 1–2 zerdrückte Bananen dazu essen (für Kalium)

Die Lösung gibt dem Körper wichtige Elektrolyte zurück. Der zugesetzte Zucker erleichtert die Aufnahme des Wassers in den Körper, da Glukose immer zusammen mit Natrium aus dem Darm aufgenommen wird und das Natrium dann das Wasser mit in den Körper zieht.

Die früher übliche Kombination aus Cola und Salzgebäck wird nicht mehr empfohlen. Cola enthält achtmal so viel Zucker, wie von der WHO für die Rehydrationslösung empfohlen. Das ist ungünstig, denn dadurch wird Wasser im Darm gebunden und nicht in den Körper transportiert. Das verstärkt häufig den Durchfall. Zusätzlich wird das eh schon verschobene Elektrolytgleichgewicht im Körper verschärft.

 

Achtung! Kontaktieren Sie Ihren Arzt, wenn:

  • Sie über mehr als 48 Stunden keine feste Nahrung zu sich nehmen können
  • Blut im Stuhl haben
  • Sie zwei oder mehr Tage unter Krämpfen oder Schmerzen leiden
  • Für 12 Stunden oder mehr nicht urinieren können
  • Sie nicht trinken können
  • Sie Fieber haben
  • Ihr Unterleib plötzlich extrem aufgebläht ist
  • Sie unter Verstopfung mit kurzen Durchfällen leiden
  • Der durchfallartige Stuhl eine kontinuierlich ungewöhnliche Farbe oder Geruch haben
  • Unverdaute Lebensmittelrest im durchfallartigen Stuhl auftauchen

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