Was essen bei ungewolltem Gewichtsverlust und Mangelernährung?

Sie haben seit der Prognose Krebs Gewicht verloren und denken, das ist nicht schlimm oder vielleicht sogar von Vorteil, weil Sie sowieso schon lange ein paar Kilos abnehmen wollten? Glauben Sie uns bitte, ungewolltem Gewichtsverlust entgegenzuwirken hat höchste Priorität! Sie brauchen im Kampf gegen die Krankheit jedes Kilo. Akzeptieren Sie einen Gewichtsverlust nicht als normal oder unbedenklich (schauen Sie unser Erklärvideo zum Thema Mangelernährung auf der Startseite an).

Vielleicht haben Sie bereits vor der Diagnose Gewicht verloren und die Krankheit und therapiebedingte Beschwerden machen es Ihnen schwer zu Essen und Ihr Essen zu verdauen. Was Ihnen aber vielleicht nicht klar ist ist, dass mit diesem Gewichtsverlust gleichzeitig auch Ihr Immunsystem geschwächt wird und Sie so anfälliger für Viren und Infekte werden. Außerdem fängt Ihr Körper an Muskel abzubauen und Sie werden schwächer. Vielleicht müssen Sie Therapien abbrechen oder können Operationen nicht durchführen lassen. Die Wundheilung wird schlechter und Krankenhausaufenhalte werden länger. Dadurch verschlechtert sich früher oder später Ihre Prognose.

Was ist Mangelernährung bei Krebs?

Mangelernährung ist eine der am meisten unterschätzten Gefahren bei einer Krebserkrankung.

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick:

  • Wenn der Körper nicht genügend Energie, Eiweiß und Nährstoffe erhält, verliert er Gewicht und Muskelmasse wird abgebaut.
  • Bereits eine Verminderung von 5 % des Körpergewichts innerhalb von 3 Monaten birgt die Gefahr einer Mangelernährung. Bei einer Person mit 70 kg sind das gerade mal 3,5 kg.
  • Laut dem Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert-Koch-Institut sterben in Deutschland pro Jahr Rund 220.000 Menschen an Krebs. Experten und Wissenschaftler schätzen, dass jeder vierte davon an den Folgen einer Mangelernährung gestorben ist und nicht am Tumor selbst.

Definition

Eine Mangelernährung beschreibt ein Defizit an Energie, Eiweiß und anderen Nährstoffen. Wird der Energie- und Eiweißbedarf nicht ausreichend gedeckt, zeigt sich dies in Form eines Gewichtsverlustes. Ein ungewollter Gewichtsverlust geht mit einem Abbau der Muskelmasse einher und ist immer ernst zu nehmen – egal bei welchem Ausgangsgewicht. Bereits eine Verminderung von 5 % des Körpergewichts innerhalb von 3 Monaten birgt die Gefahr einer Mangelernährung und Sie verlieren wertvolle Kraft für den Kampf gegen den Krebs. Bei einer Person mit 70 kg sind 5 % des Körpergewichts gerade mal 3,5 kg.

Fakt ist, dass Krebspatienten oft schon zum Zeitpunkt der Diagnose mangelernährt sind. Die Häufigkeit ist abhängig von Tumorstadium, -art und –lokalisation und kann bei bestimmten Krebsarten sogar 30% bis zu 80 % betragen. Vor allem Patienten mit Tumoren im Bereich der Verdauungsorgane oder der Lunge verlieren häufig innerhalb kurzer Zeit an Gewicht.

Ursachen

Eine Mangelernährung entsteht, wenn der Körper zu wenig Energie, Eiweiß und Nährstoffe erhält.

Die Nahrungsaufnahme kann verringert sein durch:

  • Probleme im Mund- und Halsbereich
  • Appetitlosigkeit
  • Verdauungsstörungen
  • Übelkeit/Erbrechen
  • Medikamente
  • chronische Schmerzen
  • lange Esspausen bedingt durch medizinischen Untersuchungen / Operationen
  • psychologische Probleme
  • sonstige Therapienebenwirkungen
  • unnötige Lebensmittel Restriktionen

Ein schlechter Ernährungszustand wiederum führt dazu, dass Beschwerden und Komplikationen zunehmen, wodurch ein Teufelskreislauf entsteht. Hinzu kommen auch Veränderungen im Stoffwechsel von Patienten mit einer Krebserkrankung. Wenn weniger Nahrung aufgenommen wird, läuft der Körper bei einem gesunden Menschen auf „Sparflamme“. Das heißt, der Körper verbraucht die Energie effizienter, wenn weniger Energie zur Verfügung steht. Bei onkologischen Patienten passiert diese Umstellung allerdings nicht. Krebs ist eine konsumierende Erkrankung und geht meist mit krankheitsbedingten Entzündungen und einem erhöhten Energiebedarf einher. Aufgrund dieser Stoffwechselveränderungen kommt es zu einem beschleunigten Abbau von Muskel- und Fettmasse und einem erschwerten Aufbau von Muskulatur.

Mögliche Folgen

Die Folgen einer Mangelernährung sind vielfältig und können den Verlauf der Erkrankung sowie die Lebensqualität maßgeblich beeinflussen. Häufige Folgen sind:

  • schlechtere Wirkung der Therapie
  • mehr Nebenwirkungen
  • geschwächtes Immunsystem
  • mehr Infekte
  • schlechtere Wundheilung
  • längere und häufigere Krankenhausaufenthalte
  • Muskelabbau, reduzierte Leistungsfähigkeit, Kraftlosigkeit und eingeschränkte Mobilität
  • vermehrte Therapieabbrüche oder -unterbrechungen
  • verminderte Lebensqualität
  • schlechtere Prognose

Wie erkennt man Mangelernährung?

Man erkennt eine Mangelernährung am Gewichtsverlust und Muskelabbau. Der Gewichtsverlust von 5% oder mehr innerhalb von 3 Monaten fällt aber vielen Patienten nicht auf, oder sie freuen sich sogar überschüssige Pfunde loszuwerden.

5% Körpergewicht sind wirklich nicht viel:

bei einem Ausgangsgewicht von 60 kg sind das 3 kg

bei 80 kg sind es 4 kg

bei 100 kg sind es 5 kg

Wer mangelernährt ist, sieht also häufig gar nicht so aus!

Ein weiteres Problem ist, dass viele Menschen sich nicht regelmäßig wiegen und deshalb ihren Gewichtsverlauf nicht vor Augen haben. Dann helfen diese Fragen weiter:

  •     Sitzen Gürtel oder Hose lockerer wie früher?
  •     Esse ich weniger wie üblich?
  •     Leide ich unter Durchfall oder Erbrechen?
  •     Habe ich eine Abneigung gegen bestimmte Lebensmittel entwickelt?

Wenn Sie eine dieser Fragen mit “Ja” beantworten, kann auch ein erhöhtes Risiko für eine Mangelernährung bestehen

Was kann ich gegen Gewichtsverlust und Mangelernährung tun?

  1. Gewicht möglichst stabil halten
  2. Möglichst viel Energie und Nährstoffe zu sich nehmen auch wenn das bedeutet “ungesund” zu essen – jeder Bissen zählt!

Wann und wie oft soll ich essen?

Darüber WANN und WIE OFT Sie essen, können Sie viel erreichen. Grundprinzip: Immer essen, wenn es geht.

  • Essen Sie mehrmals am Tag kleine und energiereiche Mahlzeiten (alle 2-3 Stunden).
  • Stellen Sie sich einen Wecker, der Sie mehrmals am Tag daran erinnert, eine Kleinigkeit zu essen.
  • Essen Sie auch noch spät, vor dem zu Bett gehen etwas. So reduzieren Sie die Nüchternphasen.
  • Essen Sie zu der Tageszeit am meisten, zu der Sie sich am besten fühlen. Hier können Sie Ihre Lieblingsgerichte einbauen. Setzen Sie sich über Konventionen hinweg: Wenn Sie morgens Lust auf Spaghetti haben oder abends auf Müsli ist das in Ordnung!

Welche Lebensmittel helfen mir mein Gewicht möglichst stabil zu halten?

Bei der Lebensmittelauswahl gilt: je mehr Kalorien in einem Biss, desto besser. Viele der Tipps sind deshalb genau das Gegenteil von dem, was normalerweise als gesunde Ernährung empfohlen wird. Lassen Sie sich davon nicht verunsichern. Ihr Körper braucht im Moment die Energie!

  • Wählen Sie kalorienreiche Lebensmittel
  • vollfette Milchprodukte (z. B. Sahnejoghurt, Speisequark 40% Fett i. Tr., Butter)
  • fettreiche Wurst- und Käsesorten (z.B. Lyoner, Salami, Camembert 60 % Fett i. Tr., Doppelrahmfrischkäse)
  • Nüsse, Knabbergebäck, Kekse, Süßwaren, Energiebällchen, Smoothies, Trockenfrüchte, Avocado etc. eignen sich gut für zwischendurch und als Snack für unterwegs.
  • Trinken Sie kalorienhaltige Getränke wie Fruchtsäfte, Limonaden, Milchshakes , Kakao, etc. Trinken Sie während den Mahlzeiten nur wenig, da größere Flüssigkeitsmengen das Sättigungsgefühl verstärken.
  • Vermindern Sie den Verzehr von sehr ballaststoffreichen Lebensmitteln, da diese sehr sättigen. Wählen Sie z.B. anstelle von Vollkornbrot besser Weißbrot, Baguette, Toast, Semmel, etc. Von diesen Brot-/Gebäcksorten können Sie vermutlich eine Scheibe mehr essen und nehmen dadurch auch noch mehr Kalorien durch den Belag auf.
  • Vergleichen Sie Lebensmittelpackungen im Supermarkt und bevorzugen Sie immer die kalorienreichere Variante. Die Unterschiede von vergleichbaren Produkten sind teilweise erstaunlich.
  • Verzichten Sie auf light oder fettreduzierte Produkte und wählen Sie stattdessen kalorienreiche Alternativen.
  • Essen Sie was Sie vertragen und worauf Sie Lust haben, auch wenn dies nicht einer „gesunden“ Ernährung entspricht. Eine Gewichtsstabilisierung und das seelische Wohlbefinden stehen momentan im Vordergrund.
  • Reduzieren Sie bisherige diätetische Einschränkungen (soweit medizinisch möglich, in Absprache mit Ihrem Arzt). Bedenken Sie, dass Lebensmittel den Krebs weder heilen noch fördern können.
  • Essen Sie bevorzugt gekochte Speisen anstatt Rohkost. Der Körper kann die Nährstoffe dann besser aufnehmen.

Wie kann ich mein Essen anreichern?

Anreichern bedeutet, dass Sie Ihren Speisen noch zusätzliche Kalorien und Eiweiß hinzufügen.

  • Gut zum Anreichern von Suppe, Sauce und Brei: Butter, Sahne, Mascarpone, Schmand, Creme Fraiche, pflanzliche Öle, Erdnussbutter, Mandelmus – alles mit viel Fett und damit vielen Kalorien.
  • Zugabe von kalorienreichen Komponenten: z.B. Kombination von Gemüse mit herzhaften Saucen, Überbacken von Speisen mit Käse, Semmelknödel mit Speckwürfel, Joghurt mit Nüssen und Rosinen.
  • Zugabe von eiweißreichen Komponenten: Eier, Milchprodukte (bevorzugt vollfett, z.B. Sahnejoghurt oder griechischer Joghurt), Speckwürfel, Lachs, Hering, Fleisch.
  • Manchmal reicht dieses Anreichern nicht aus. Wenn Sie schon 5% oder mehr Ihres Körpergewichts verloren haben, oder nur wenig essen können, sind Trinknahrung und Energiepulver aus der Apotheke sehr hilfreich. Diese bekommen Sie sogar von Ihrem Arzt auf Rezept!

Wenn Sie schon viel Gewicht verloren haben oder der Gewichtsverlust einfach nicht aufhören will, ist Trinknahrung Ihre Geheimwaffe.

Trinknahrung („Astronautenkost“) gibt es mit einer sehr hohen Energie- und Nährstoffdichte und kann so die Aufnahme von ausreichend Kalorien erleichtern. Ausführliche Informationen über Trinknahrung finden Sie im Kapitel Trinknahrung. Hier finden Sie auch praktische Tipps, wie Sie Trinknahrung anwenden und in Ihre Ernährung integrieren können.

  • Neutral schmeckende Trinknahrung können Sie überall wie Sahne hinzufügen – auch in herzhafte Gerichte und Saucen.
  • Mit den fruchtigen Sorten reichern Sie z.B. Milchshakes oder Smoothies an.
  • Herzhafte Sorten können z.B. die Basis für Suppen bilden.
  • Auch Energie- und/oder Eiweißpulver kann zum Anreichern verwendet werden. Diese können in flüssige und breiige Speisen eingerührt werden (z.B. Joghurts, Milchshakes, Suppen, Cremespeisen, Grießbrei, etc.).

Was kann ich in meinem Alltag für ein stabiles Gewicht tun?

Auch Ihr Umfeld lässt sich so gestalten, dass Sie mehr und häufiger essen.

  • Das Auge isst mit: Ein schön gedeckter Tisch und liebevoll angerichtete Speisen, können die Nahrungsaufnahme verbessern (z.B. eine Kerze und schöne Teller und Servietten). Garnieren Sie die Speisen zum Beispiel mit frischen Kräutern (Petersilie, Schnittlauch, etc.).
  • Essen Sie zusammen mit Ihrer Familie oder Ihren Freunden. Studien haben gezeigt, dass wir in Gesellschaft mehr essen.
  • Möglicherweise hilft es Ihnen mehr zu essen, wenn Sie nebenher einen schönen Film schauen, Musik hören oder etwas lesen.
  • Verteilen Sie kalorienreiche Snacks so in der Wohnung, dass immer etwas in Reichweite ist.