Was essen bei Fatigue / Müdigkeitssyndrom?

Wenn Sie sich die meiste Zeit müde und extrem erschöpft fühlen und auch Schlafen und Ausruhen nicht helfen, leiden Sie vielleicht unter einer krebsinduzierten Fatigue (auch Müdigkeitssyndrom genannt). Diese häufige Begleit- oder Folgeerkrankung einer Krebserkrankung stellt eine Herausforderung im Alltag dar und wird von vielen Betroffenen sogar belastender und quälender als Schmerzen empfunden.

Wegweiser Fatigue

Ernährung ist nur ein kleiner supportiver Baustein in der Behandlung dieser komplexen Erkrankung. Deshalb wird der folgende Text, der die Rolle der Ernährung bei Fatigue beleuchtet, noch durch zwei Expertenbeiträge ergänzt.

Alles zu Ernährung und Fatigue:

Zusätzliche Expertenbeiträge:

Quellen:

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Erste Schritte

  1. Sie sind nicht allein! Fatigue kommt sehr oft im Rahmen einer Krebsbehandlung vor.
  2. Sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam über Ihre Beschwerden. Fatigue braucht eine individuelle Therapie.
  3. Nehmen Sie Hilfe im Alltag an – Sie müssen nicht alles alleine schaffen. Überlegen Sie, welche Aufgaben für Sie die größten Herausforderungen darstellen und wer Sie dabei unterstützen könnte.
  4. Machen Sie es sich so einfach wie möglich, ausreichend zu essen:
    • Lassen Sie sich von der Familie oder Freunden helfen (z.B. beim Einkaufen oder der Essenszubereitung).
    • Kochen Sie größere Mengen vor.
    • Nehmen Sie Tiefkühlgerichte oder einen Lieferservice in Anspruch.
    • Platzieren Sie Zwischenmahlzeiten/Snacks in greifbarer Nähe die keine Vorbereitung benötigen (z.B. Butterkekse, Sahnepudding, Käsewürfel, Nüsse usw…).
  5. Bewegen Sie sich im Rahmen Ihrer Möglichkeiten. Zu viel Schonung kann eine chronische Fatigue verstärken.
    • Suchen Sie nach onkologischer Bewegungstherapie oder Krebssportangeboten in Ihrer Umgebung.
  6. Scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe in Form einer psychoonkologischen Betreuung oder kognitiven Verhaltenstherapie in Anspruch zu nehmen. Diese können Symptome abmildern.

Welche Rolle spielt Ernährung bei Fatigue?

Fatigue kann verschiedenste Ursachen und Ausprägungen haben und erfordert deshalb eine ganz individuelle Behandlung.

Zwischen Ernährung und Fatigue gibt es wichtige Zusammenhänge:

  • Einerseits kann Fatigue zu Appetitlosigkeit oder verringerter Nahrungsaufnahme führen (wenn man z.B. keine Energie mehr zum Kochen oder Essen hat) und damit Gewichtsverlust und Mangelernährung auslösen oder verstärken.
  • Andererseits können Gewichtsverlust und Mangelernährung körperliche Schwäche und Muskelabbau verstärken und damit die Fatigue verschlimmern.

Es ist wichtig diesen Teufelskreis aus Mangelernährung und Fatigue zu vermeiden oder möglichst früh zu unterbrechen.

Was soll ich bei Fatigue essen?

Empfehlungen für einzelne Lebensmittel bei Fatigue gibt es nicht.

Wichtig ist vielmehr, dass Ihr Körper ausreichend mit Energie und Nährstoffen versorgt ist, damit Ihr Körper nicht zusätzlich noch geschwächt wird und Muskelmasse abbaut. Gegen Muskelabbau ist neben einer ausreichenden Kalorienzufuhr auch Bewegung wichtig. 

Sie nehmen dann genug Energie (also Kalorien) zu sich, wenn Ihr Gewicht stabil bleibt. Ausreichend Nährstoffe erhalten Sie durch eine abwechslungsreiche Ernährung. Lassen Sie sich durch Ihren Appetit leiten und probieren Sie immer wieder altbekannte und/oder neue Lebensmittel aus.

Sollten Sie an Appetitlosigkeit leiden, helfen Ihnen vielleicht die Tipps im Artikel „Was essen bei Appetitlosigkeit?“.

Hilfestellungen für den Alltag

Einkaufen, Kochen, Essen – diese Aktivitäten können durch die Erschöpfung sehr schwierig werden. Vielleicht hilft Ihnen einer dieser praktischen Tipps bei der Bewältigung Ihres Alltags:

  • Kochen Sie größere Mengen vor (oder lassen Sie vorkochen) und wärmen Sie kleine Portionen an einem anderen Tag wieder auf, wenn es Ihnen schwer fällt frisch zu kochen.
  • Kochen geht teilweise auch im Sitzen – Sie können beispielsweise einen Hocker in die Küche stellen oder sitzend am Tisch Lebensmittel vorbereiten.
  • Tiefkühlgemüse ist besser als sein Ruf. Es enthält mehr Vitamine, als zu lange gelagertes oder transportiertes frisches Gemüse. Sie können sich einen kleinen Vorrat zulegen und verwenden, wenn Sie nicht einkaufen gehen können. Außerdem entfallen so das Putzen und Schneiden des Gemüses.
  • Beinahe-Fertiggerichte und Kochboxen fluten jetzt den Markt und könnten eine Übergangslösung oder auch eine langfristige Lösung sein, um das Einkaufen und die Essensvorbereitung zu erleichtern. Leider sind sie meist nicht ganz billig.
  • Wenn Ihnen auch die Energie zum Kochen fehlt, können komplette Tiefkühl-Fertiggerichte eine gute Wahl sein. In Tests der Stiftung Warentest schneiden viele Produkte sehr gut ab. Ernährungswissenschaftlich gesehen stellen sie ein gute Übergangslösung dar.
  • Vielleicht kommt ein Menü-Bringdienst für Sie in Frage, um regelmäßig eine warme Mahlzeit zu erhalten (z.B. Essen auf Rädern, AWO-Menüservice oder ähnliches. Im Internet oder den Gelben Seiten finden Sie eine Vielzahl von Anbietern für frischgekochte Mahlzeiten, die regelmäßig zu Ihnen nach Hause geliefert werden).
  • Lassen Sie sich von Ihrer Familie oder Freunden helfen, wenn es um das Einkaufen oder die Essenszubereitung geht.
  • Planen Sie ihre Mahlzeiten für die Zeit ein, in der Sie üblicherweise am meisten Energie haben.
  • Wenn Sie nur wenig essen können, achten Sie auf extra kalorienreiche Nahrungsmittel und Getränke (mehr Tipps dazu finden Sie hier: “Was essen bei Gewichtsverlust?”).
  • Stellen Sie sich kleine Zwischenmahlzeiten oder Snacks in greifbare Nähe (z.B. auf den Couchtisch, Nachttisch)

Quellenangaben

Bücher:

N. Erickson, N. Schaller, A.P. Berling-Ernst, H. Bertz. Ernährungspraxis Onkologie, Schattauer GmbH, Stuttgart, 2017.

E. Höfler und P. Sprengart. Praktische Diätetik: Grundlagen, Ziele und Umsetzung der Ernährungstherapie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 2012.

H. Bertz und G. Zürcher. Ernährung in der Onkologie: Grundlagen und klinische Praxis, Schattauer GmbH, Stuttgart, 2014.

H.K. Biesalski, S.C. Bischoff, et. al. Ernährungsmedizin nach dem neuen Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer, Thieme Verlag, 5. Auflage, Stuttgart, 2018