Was essen bei Mund-/Schleimhautentzündung (Stomatitis / Mukositis)?

Sie haben wunde Stellen oder Entzündungen im Mund? Ihr Mund oder Rachen schmerzt und brennt, vor allem beim Essen und Trinken?

Reizungen der Mundschleimhäute, Entzündungen, Schmerzen und Brennen im Mund: Darunter leiden viele Krebspatienten als Nebenwirkung der Chemo- oder Bestrahlungstherapie. Die Entzündungen können den Mundbereich betreffen (Stomatitis) aber auch bei anderen Abschnitten des Magen-Darm-Trakts auftreten (Mukositis).

Was können Sie essen oder trinken, um die Beschwerden zu lindern oder überhaupt essen zu können? Bestimmte Nahrungsmittel und Lebensmittelkonsistenzen können Ihnen das Essen erleichtern.  Durch eine ausreichende Versorgung mit Energie und Eiweiß wiederum wird die Heilung Ihrer Entzündungen gefördert. Deshalb haben wir für Sie im Folgenden Empfehlungen zusammengestellt, mit dem Ziel Sie bei der Lebensmittelauswahl zu unterstützen und die Nahrungsaufnahme zu erleichtern. Dabei hoffen wir, dass Sie die Freude am Essen bestmöglich erhalten können.

Was kann ich gegen eine Stomatitis / Mukositis tun?

Die Ziele dieser Ernährungsempfehlungen sind, Ihnen die Nahrungsaufnahme zu erleichtern und Schmerzen zu lindern. Dadurch können Sie unnötige Gewichtsabnahme vermeiden. Die Empfehlungen sollen Sie dabei unterstützen Lebensmittel auszuwählen, die keine Reizung der Schleimhäute verursachen bzw. die Entzündung verstärken.

Wann und wie oft soll ich essen?

Essen Sie mehrere kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt, um Ihren Energie und Eiweißbedarf zu decken. Um die entzündeten Stellen weniger zu reizen, spülen Sie Ihren Mund nach dem Essen und vor dem Schlafengehen z.B. mit der oben genannten Natronlösung, Kamillen- oder Pfefferminztee. Bei Schmerzen können Sie Mundsprays oder Spülungen auch während der Mahlzeit anwenden. Auch das Nippen an einem kühlen Getränk wird von vielen Betroffenen als angenehm empfunden.

Welche Lebensmittel helfen mir bei Stomatitis / Mukositis?

  • Passen Sie die Konsistenz der Lebensmittel an Ihre Verträglichkeit an. Weiche Speisen werden bei Entzündungen im Mund als weniger schmerzhaft empfunden. Bei starken Schmerzen kann vorübergehend auch eine pürierte oder flüssige Kost sehr hilfreich sein.
  • Kochen Sie Pasta oder Reis etwas länger als angegeben, damit sie weicher und somit einfacher zu essen sind.
  • Genießen Sie Ihr Gemüse lieber gekocht, z.B. als gegartes Gemüse oder gekochte Gemüsesalate und verzichten Sie auf Rohkost. Auch unreifes, hartes Obst ist eher ungeeignet.
  • Reifes Obst in Kombination mit Milchprodukten ist weniger reizend. Noch schonender sind Obstmus, Kompott, oder Nahrungsbreie für Kinder.
  • Verfeinern sie die Speisen mit Sahne, Créme Fraîche, Milch oder Butter, damit die Speisen milder werden und sich besser schlucken lassen.
  • Achten Sie beim Abschmecken der Speisen auf eine milde Würzung. Salzen Sie die Speisen nur wenig und verzichten Sie auf Würzsaucen, Pfeffer, Chili, scharfes Paprikapulver oder sonstige reizende Gewürze.
  • Vermeiden Sie säurehaltige Lebensmittel, Speisen und Getränke wie Tomaten, Zitrusfrüchte, Sauerkraut, eingelegtes Gemüse, Dressings aus Säuren wie Essig oder Zitronensaft. Salate können Sie stattdessen z.B. mit Sahne-/Joghurt Dressing anmachen.
  • Verzichten Sie lieber auf krümelige, harte oder auch scharfkantige Speisen. Schneiden Sie deshalb harte Krusten von Broten lieber weg oder greifen Sie auf Toastbrot zurück. Brot kann auch in Suppen oder Saucen aufgeweicht werden.
  • Vorsicht auch bei Keksen, Müsli, Knäckebrot oder überbackene Speisen mit harter Kruste.
  • Vermeiden Sie klebrige Speisen, die zwischen den Zähnen bzw. in der Mundhöhle kleben – diese können Infektionsherde werden.
  • Reichen Sie Saucen zu trockenen Speisen, oder trinken Sie kleine Schlucke zu trockenen Lebensmittel, um das Schlucken zu erleichtern.
  • Genießen sie Ihre Speisen und Getränke lieber lauwarm anstatt sehr heiß, denn dies reizt die Entzündung. Kaltes Wasser hingegen lindert die Entzündung und den Schmerz. Ein Strohhalm kann Ihnen helfen die entzündeten Stellen im Mund zu umgehen.
  • Verzichten Sie auf Alkohol und Zitrussäfte.
  • Wenn Ihre Nahrungsaufnahme sehr vermindert ist, können Ihnen Trinknahrungen möglicherweise dabei helfen ausreichend Kalorien und Eiweiß aufzunehmen. Diese können auch bereits frühzeitig eingesetzt werden, um einer Mangelernährung vorzubeugen.
  • Bei sehr starken Schmerzen, die eine Nahrungsaufnahme unmöglich machen, kann auch vorübergehend eine künstliche Ernährung notwendig sein.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie Schmerzen haben, nicht ausreichend Essen können oder Gewicht verlieren. Er kann Ihnen Medikamente und medizinische Mundspülungen gegen die Schmerzen verschreiben und bei Bedarf auch Trinknahrung oder künstliche Ernährung verordnen. Er kann auch bewerten, ob Viren oder Pilze für die Beschwerden verantwortlich sind und diese speziell bekämpft werden müssen.

Worauf kann ich noch achten?

Achten Sie auf eine gute Mundhygiene, um einer Pilzinfektion vorzubeugen. Benutzen Sie keine scharfkantigen Gegenstände im Mundraum, verzichten Sie auf Zahnstocher und verwenden Sie lieber eine weiche Zahnbürste. Verwenden Sie eine fetthaltige Lippenpflege um rissigen, schmerzenden Lippen vorzubeugen. Verzichten Sie auf Nikotin, da dies zusätzlich die Schleimhäute reizt.

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Wir arbeiten im Moment an einer Einkaufsliste und an Rezepten gegen Mukositis.

Wie kann ich einer Stomatitis vorbeugen?

Mit sorgfältiger Mundpflege und medizinischen und/oder selbst hergestellten Mundspülungen können Sie der Entstehung einer Stomatitis entgegenwirken (es kann aber leider auch bei perfekter Mundhygiene zu Entzündungen kommen). Holen Sie sich dafür auch gerne zahnärztliche Unterstützung.

Hinweise zur Mundpflege:

  • Verwenden Sie eine weiche Zahnbürste
  • Reinigen Sie Ihre Zähne mind. 3x täglich
  • Erneuern Sie die Zahnbürste jede Woche aufgrund von Mikroorgansimen, die zu Entzündungen führen können
  • Verwenden Sie fluoridierte, milde Zahnpasten und vermeiden Sie aromatisierte Zahnpasten und alkoholhaltige Mundwasser
  • Wenden Sie mehrmals täglich Mundspülungen für etwa 1 Minute an – am besten nach jedem Essen und vor dem Schlafengehen (ca. 4-6-mal täglich)
  • Verwenden Sie Lippenpflege basierend auf Ölen und Wachsen

Beispiele für selbst hergestellte Mundspüllösungen:

  • Milde Teesorten (wie z.B. Kamillen- oder Pfefferminztee). Achtung: Salbei und Malventee wirken zwar antiseptisch, aber auch austrocknend und sind daher weniger geeignet.
  • Wasser mit Kochsalz- und Natron (je ½ bis 1 Teelöffel pro Liter)

Was ist Stomatitis / Mukositis?

Definition
Mukositis ist der medizinische Fachbegriff für eine Entzündung der Schleimhäute. Meist tritt sie im Mundhöhlenraum auf (dort heißt Sie Stomatitis), kann sich aber auch über den Rachen und die Speiseröhren im kompletten Magen-Darm-Trakt ausbreiten.

Ursachen
Chemotherapien oder Bestrahlungen im Gesicht, Rachenbereich oder Magen-Darm-Trakt können zu eine Entzündung der Schleimhäute führen. Schleimhautzellen erneuern sich sehr schnell und reagieren daher besonders empfindlich auf die Wirkung der Krebstherapien. Aber auch schlechtsitzende Zahnprothesen und eine schlechte Zahn- und Mundhygiene können Entzündungen im Mundhöhlenbereich fördern. Herrscht des Längeren eine Mundtrockenheit vor, kann sich auch eine Entzündung der Schleimhaut entwickeln. Auch Orale Infektionen (z. B. durch Candida albicans) können die Entwicklung einer Mukositis fördern.

Schweregrad und Dauer
Der Schweregrad reicht von kleinen, leicht entzündeten Stellen im Mund bis hin zu großflächigen Entzündungsherden verbunden mit starken Schmerzen. Tritt die Mukositis als Folge einer Chemo- oder Strahlentherapie auf, ist das Ausmaß der Entzündung abhängig von der Art der Therapie, Dosierung, Häufigkeit der Verabreichung und der individuellen Toleranz. Häufig ist die Mukositis während dem ersten Chemotherapiezyklus ausgeprägter, als in den folgenden Zyklen.
Die Symptome beginnen meist wenige Tage nach Beginn der Therapie mit Höhepunkt am siebten Tag. 10-14 Tagen nach der Therapie sind die Beschwerden in der Regel wieder verschwunden. Der Ernährungszustand, Tabak- und Alkoholkonsum und die orale Hygiene scheinen einen Einfluss auf den Schweregrad zu haben.

Mögliche Folgen
Häufig wird eine Mukositis von einer verminderten Speichelproduktion, Geschmacksstörungen und Bewegungsstörungen im Magen-Darm-Trakt begleitet. Sind auch die Darmschleimhäute von Entzündungen betroffen, kann dies möglicherweise eine vorübergehende Unverträglichkeit von Milchzucker hervorrufen. Durch die Schädigung der Schutzbarriere begünstigt Mukositis auch Infektionen durch Viren, Bakterien oder Pilzen, die lokal oder systemisch auftreten können.

Ein entzündeter Mundbereich kann sehr schmerzhaft sein. Dies kann das Essen und Trinken erschweren und, in extremen Fällen sogar unmöglich machen. Auch Schluckstörungen können aufgrund von entzündeten Schleimhäuten auftreten. Die Schmerzen, die durch eine Mukositis hervorgerufen werden, sind häufig mit einer erniedrigten Kalorien- und Nährstoffaufnahme verbunden, die zu einer Unterernährung und Flüssigkeitsmangel führen kann. Betroffene verlieren häufig die Freude am Essen und sind in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Nicht selten kommt es durch diese Beschwerden auch zu Therapieunterbrechungen, wodurch das Therapieziel gefährdet wird.

Quellenangaben

Bücher:

  • H. Bertz und G. Zürcher. Ernährung in der Onkologie: Grundlagen und klinische Praxis, Schattauer GmbH, Stuttgart, 2014.
  • N. Erickson, N. Schaller, A.P. Berling-Ernst, H. Bertz. Ernährungspraxis Onkologie, Schattauer GmbH, Stuttgart, 2017.
  • H. Hauner, M. Martignoni, et al. Manual: Empfehlungen zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge, Ernährung in der Onkologie, Tumorzentrum München (TZM), W. Zuckerschwerdt Verlag, München, 1. Auflage, 2018

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