Warum soll ich während einer oralen Krebstherapie keine Grapefruit essen?

Viele von Ihnen haben vermutlich bereits gehört, dass Sie während Ihrer Therapie auf Grapefruit und Grapefruitsaft verzichten sollten. Aber warum eigentlich? Der Grund dafür sind bestimmte Inhaltsstoffe – Furanocumarine und Naringin. Diese Inhaltstoffe hemmen bestimmte Enzyme, die an dem Abbau von einigen Medikamenten beteiligt sind. Da die Enzyme Großteils in der Darmwand zu finden sind, betrifft dies nur Medikamente, die oral eingenommen werden (diverse Chemotherapeutika und Immunsuppressiva, die z.B. nach einer Stammzellentransplantation eingenommen werden müssen.


Durch die Blockierung der Enzyme werden größere Mengen des Wirkstoffes über den Darm aufgenommen und der Medikamentenspiegel ist höher als gewünscht. Unerwünschte Nebenwirkungen Ihrer Therapie können dadurch verstärkt auftreten.


Bereits nach einem Glas Grapefruitsaft (250ml), wurden in Studien teilweise stark erhöhte Wirkstoffkonzentrationen im Blut festgestellt. Bei einmaligem Verzehr von Grapefruitsaft hält die Dauer, in der die Enzyme gehemmt werden, durchschnittlich 24-48 Stunden an. Die ursprüngliche Enzymaktivität ist erst nach frühestens 3 Tagen wieder vollständig hergestellt. Die Auswirkung auf den Medikamentenspiegel kann von Person zu Person unterschiedlich sein, da manche Menschen mehr und andere weniger Enzyme produzieren. Auch die Konzentrationen der enzymhemmenden Inhaltsstoffe in der Grapefruit, kann man als Konsument nicht beurteilen. Sie hängt von der Sorte, Herkunft und Lagerung der Früchte ab. Eine sichere Verzehrmenge einer frischen Grapefruit bzw. Grapefruitsaft, kann nicht angegeben werden.

Aufgrund des teils erheblichen Einfluss auf den Medikamentenspiegel, gilt es daher auf alle Arten von Grapefruits und Grapefruitsaft während einer oralen Krebstherapie zu verzichten. Nachdem die enzymhemmende Wirkung mehrere Tage anhält, sollten Sie nicht nur auf eine gleichzeitige Einnahme verzichten, sondern Grapefruit komplett meiden. Bedenken Sie, dass auch in Multivitaminsäften oder Marmeladen Grapefruit enthalten sein kann.


Wenn Sie eine Chemotherapie über die Venen (intravenös) verabreicht bekommen, halten Sie am besten Rücksprache mit Ihrem Arzt, ob sie auf Grapefruit verzichten müssen. Da die meisten Patienten jedoch zusätzlich noch weitere Medikamente oral einnehmen, die möglicherweise Wechselwirkungen mit Grapefruit haben können, sind Sie auf der sicheren Seite, wenn Sie ebenfalls auf Grapefruit verzichten oder sich die Beipackzettel Ihrer Medikamente genau durchlesen.

Darf ich Ananas, Pomelo & Co essen?

Für Pampelmusen/Pomelos, Pomeranzen (Bitter- oder Sevilla-Orangen) und Clementinen gibt es Hinweise auf eine ähnliche enzymhemmende Wirkung. Sie sollten daher auch auf diese Zitrusfrüchte verzichten, wenn Ihre Medikamente Wechselwirkungen mit Grapefruit aufweisen. (lt. FDA)

Die gleichzeitige Einnahme von bestimmten Medikamenten mit Orangensaft und Apfelsaft kann möglicherweise die Aufnahme aus dem Darm vermindern. Dies wurde in Studien bei einzelnen Medikamenten zur Blutdrucksenkung und Antihistaminika nachgewiesen. Diese Medikamente sollten nicht zeitgleich mit Säften eingenommen werden, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden. Eine zeitverzögerte Einnahme mit einem Abstand von mind. 4 Stunden ist daher empfehlenswert.

In Zellstudien hat auch Ananassaft die Aktivität von bestimmten Enzymen gehemmt, die am Abbau diverser Medikamente beteiligt sind. Es gibt noch zu wenige Untersuchungen, ob sich dies auf den Menschen übertragen lässt, welche Medikamente betroffen sind und ob die Auswirkung auf den Medikamentenspiegel überhaupt relevant ist. Empfehlungen lassen sich daher zum derzeitige Zeitpunkt nicht ableiten.

Was bedeutet das für die Praxis?

  • Verzehren Sie keine Grapefruit, Pomelo und Pomeranzen, während einer oralen Krebstherapie.
  • Lesen Sie immer die Packungsbeilage Ihrer Medikamente und verzichten sie auf die dort erwähnten Lebensmittel/Getränke, die Wechselwirkungen hervorrufen können.
  • Achten Sie grundsätzlich auf die Angaben auf den Beipackzetteln bezüglich Einnahmezeit und Wechselwirkungen.
  • Nehmen Sie Medikamente sicherheitshalber nicht zeitgleich mit Fruchtsäften ein.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Unsicherheiten bestehen.

Quellen:

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FDA. Grapefruit Juice and Some Drugy Don’t Mix. Us. Food & Drug Administration. https://www.fda.gov/ForConsumers/ConsumerUpdates/ucm292276.htm (letzte Aktualisierung: 07/2017)

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